GDV: Mehr Forderungsausfälle, mehr Insolvenzen
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer warnt vor einem deutlichen Anstieg von Zahlungsausfällen und Insolvenzen im kommenden Jahr. Anzeichen dafür gab es bereits 2023.
Exportmodell Deutschland unter Druck
Die stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführerin Anja Käfer-Rohrbach erläuterte zu Beginn der Konferenz, man habe sich hierzulande zu lange auf billige Energie und globale Märkte verlassen. Inzwischen wisse man, dass Energie dauerhaft teurer sein wird – nun stünden ganze Wirtschaftszweige wie die Chemieindustrie vor großen Herausforderungen. Das erfolgreiche Exportmodell Deutschland gerate wirtschaftlich immer mehr unter Druck, brachte Käfer-Rohrbach die Lage auf den Punkt. Zu den hohen Energiekosten käme die geringe Konsumfreude, wie sie sich aktuell auch im Weihnachtsgeschäft zeige. Dies habe Folgen für den Groß- und Einzelhandel einschließlich des Onlinehandels, die Transport- und Papierbranche, das Gastgewerbe und die ohnehin gebeutelte Textilindustrie.
Käfer-Rohrbach ging in der Folge auch auf die Automobilzulieferer ein, die seit einigen Jahren vor einem technologischem Wandel hin zur E-Mobilität stehen und deshalb ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten müssen. Einen Aspekt, den später auch der Kommissionsvorsitzende Thomas Langen aufgreift. Unternehmen, die sich nicht erneuert haben, konnten in der Vergangenheit vielleicht noch durch Staatsgelder und die Aussetzung der Insolvenzpflicht überleben. Nun ist ein Umbau des Unternehmens aber unumgänglich, andernfalls sind diese Unternehmen „in Gefahr“.
Höhere Schäden, höhere Deckungszusagen
Mit einer Einschätzung der Marktlage und aktuellen Zahlen knüpft Thomas Langen an die Ausführungen von Anja Käfer-Rohrbach an. „Mit steigenden Insolvenzen erhöht sich auch das Risiko von Zahlungsausfällen“, erläutert Langen. Jeder einzelne Zahlungsausfall habe das Potenzial, ein Unternehmen in Liquiditätsprobleme zu bringen. Dabei bekräftigt er die Position der Kreditversicherer: „Es ist unsere Aufgabe, Unternehmen von dieser Gefahr zu schützen. Wir entschädigen Firmen, wenn sie nach erbrachter Dienstleistung oder Lieferung einen Zahlungsausfall erleiden.“
Für mehr als 1,2 Milliarden Euro sind die Versicherer im Jahr 2023 in die Bresche gesprochen – ein deutliches Plus von rund 44 Prozent gegenüber Vorjahr. Rund 35 Prozent mehr Schäden traten in der Sparte Warenkreditversicherung auf. Anders als in den Vorjahren sind nun auch Branchen von Zahlungsausfällen betroffen, die jahrelang als zahlungssicher galten. Langen nennt hier explizit die Krankenhäuser, die unter anderem wegen gestiegener Material- und Energiekosten finanziell unter Druck stehen. Auch diese Unternehmen und ihre Lieferanten können sich über eine Warenkreditversicherung absichern. Immerhin: Die Schäden innerhalb der Vertrauensschadenversicherung gingen um 5 Prozent zurück. Wegen des Hinweisgeberschutzgesetzes rechnet die Branche jedoch kurzfristig mit mehr Schadensfällen im nächsten Jahr.
Dem gestiegenen Bedarf von Absicherungslösungen begegnete die Branche mit einer weiteren Erhöhung der Deckungssumme auf nunmehr 590 Milliarden Euro. Auf diese Weise ermögliche die Branche Handelsgeschäfte insbesondere mit dem Ausland. In dem Zusammenhang betont Langen, dass die Versicherer jedes Unternehmen mit seinen individuellen Herausforderungen einzeln angesehen wird – unabhängig von der Branche, zu der es gehört. Ein Argument für eine gründliche und regelmäßige Finanzkommunikation mit Ihrem Versicherer.

Unser Rat
Es sind verschiedene Hausaufgaben, die die Kreditversicherer den Unternehmen in ihrer Jahresmedienkonferenz mit auf den Weg geben. Zahlreiche Branchen müssen sich weiterhin transformieren, Unternehmen müssen sich an veränderte Bedingungen anpassen. Die Kosten müssen im Blick behalten werden, Fachkräfte müssen gewonnen und gehalten werden.
Eine Aufgabe ist jedoch zentral und gilt für alle Unternehmen in allen Branchen und Sektoren: Sichern Sie Ihre Liquidität!
Prüfen Sie sorgfältig und immer wieder aufs Neue, wo Liquiditätsengpässe auftreten können – und wie Sie diese vermeiden. Die Kreditversicherer stehen Ihnen mit einer Reihe von Lösungen zur Seite, sei es die klassische Warenkreditversicherung, die bei Forderungsausfällen oder -verzögerungen einspringt.
Reichen die Limite nicht aus, sind auch Zusatzlösungen möglich. Oder sei es die Kautionsversicherung, mit der Sie bürgen können, ohne eigenes Kapital zu binden. Mit einem Factoring-Partner landen Forderungen an andere zudem schneller auf Ihrem Konto – gerade bei Unternehmen, die bei Material- und Arbeitskosten in Vorleistung gehen müssen, kann dies mehr Geschäfte ermöglichen. Denken Sie auch über eine Vertrauensschadenversicherung nach, die Sie vor Betrug durch Dritte oder eigene Arbeitnehmer schützt.
Aus der Vergangenheit wissen wir, dass gerade interne Betrugsfälle zunehmen, wenn die Menschen weniger Geld zur Verfügung haben. Und nicht zuletzt: Bei steigenden Insolvenzzahlen steigt auch das Risiko, eines Tages vor Rückforderungen eines Insolvenzverwalters zu stehen. Hier hilft die Insolvenzanfechtungsversicherung.